"Bald kommt der dritte Akt der Krise"
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Bücher zur Wirtschaftskrise waren auf der Buchmesse reichlich zu sehen. Zu den schonungslosesten Analysen zählt die Neuerscheinung der "Crash-Propheten" Roland Leuschel und Claus Vogt.
Krisen-Bücher waren auf der Buchmesse allgegenwärtig. Fast jeder große Verlag hatte mindestens einen Titel zum Thema Finanz- und Wirtschaftskrise im Programm. Doch Vorträge und Diskussionen darüber waren Mangelware. Die Autoren glänzten durch Abwesenheit. Zu den wenigen Ausnahmen zählte Claus Vogt, Chefstratege der Quirin Bank, der mit Vermögensverwalter Leuschel das Buch "Die Inflationsfalle" (Wiley-Verlag) geschrieben hat. Auf dem Fachbuch-Forum in Frankfurt erklärt Vogt, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden sei und die Weltwirtschaft am Rande des Abgrunds steht. "Viele glauben, es könne nicht mehr schlimmer kommen", sagt Vogt. "Das ist ein Irrtum."
Der Chefanalyst, der im Bestseller "Das Greenspan-Dossier" gemeinsam mit Leuschel 2004 die Krise kommen sah, beschreibt die aktuelle Situation mit einem "Tanz auf dem Vulkan". Die Konjunkturprogramme hätten ein großes Strohfeuer ausgelöst, das noch eine Weile andauern könnte. Vielleicht noch bis Mitte 2010. Dann aber, so Vogt, droht uns ein böses Ende.
Denn in Europa beispielsweise sei das Schuldenproblem nicht gelöst, warnt der Chefvolkswirt. "Es wurden nur die Löcher gestopft." Die Gefahr von Staatspleiten sei nicht gebannt. Irgendwann könnten die Rentenmärkte revoltieren. Wenn die Zinsen wieder angehoben werden, drohen laut Vogt Staatsfinanzierungs-Krisen.
Inflationsgefahr größer denn je
Angesichts der enormen Geldausgaben der Staaten prophezeit Vogt eine Inflation, die sich zu einer Hyperinflation ausweiten kann. "Die Inflationsgefahr ist größer denn je."
Vogt sieht auch andere Rauchwolken am Himmel. So warnt er vor einer zweiten Welle an faulen Immobilienkrediten, die abgeschrieben werden müssten. Auch bei Gewerbeimmobilien drohen in absehbarer Zeit "negative Überraschungen".
Notenbanken und Staaten haben versagt
Schuld an der Krise sei nicht ein Marktversagen, sondern ein monumentales geldpolitisches Versagen, erklärt der Ko-Buchautor. Mit ihrer Politik des billigen Gelds hätten Notenbanken die Blase verursacht. Mit ihren Interventionen hätten sie und die Politiker die Krise nur noch verschlimmert, kritisiert Vogt.
Die Krise habe schon im Jahr 2000 mit dem Platzen der Internet-Blase begonnen. Nun erlebten wir den zweiten Akt der Krise, meint Vogt. Doch damit sei das Drama noch lange nicht zu Ende. Bald drohe der dritte Akt der Krise, der noch verheerender sein werde. "Die Frage ist nicht, ob, sondern wann der dritte Akt kommt", sagte Vogt.
Mittelfristig könnten die Aktienmärkte noch weiter nach oben gehen. Vogt: "Derzeit bin ich bullish." Doch spätestens Mitte des kommenden Jahres dürfte es mit der Party vorbei sein.
Politik sollte auch Firmen pleite lassen gehen
Nur die Rückkehr zur seriösen Geld- und Fiskalpolitik könnte Schlimmeres verhindern, meint Vogt. Doch daran glaubt der Chefvolkswirt nicht. "Dann müssten wir die Krise und Firmenpleiten zulassen." Dazu fehle aber der politische Wille.
Was sollten Anleger jetzt tun? Darauf gebe es keine einfache Antwort, meint Vogt und verweist auf die fehlende Planungssicherheit. Die Anleger müssten flexibel sein und sich den entsprechenden Situationen anpassen, empfiehlt er. Als einziges strategisches Investment sieht der Quirin-Bank-Stratege Gold. Alle anderen Geldanlagen wie Aktien oder auch Rohstoffe seien zyklisch.
Autor: Notker Blechner
Der Artikel ist erschienen auf boerse.ARD.de . Veröffentlichung auf quirinnews.de mit freundlicher Genehmigung.