Frag einen Honorarberater (11): Nachhaltige Geldanlagen - wie erkenne ich, ob das zu mir passt und welche Produkte wirklich nachhaltig anlegen?
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Das in Finanzprodukten investierte Kapital wird für bestimmte Zwecke verwendet. Häufig ist nicht genau erkennbar, was konkret mit dem Geld angestellt wird, das in einen Aktienfonds oder eine Unternehmensanleihe fließt. Vor gar nicht langer Zeit sind einige Fondsgesellschaften in die Kritik geraten, da sie beispielsweise indirekt in Unternehmen investierten, die Streubomben herstellen.
Nachhaltige Investments sollen genau solche kritischen Engagements vermeiden bzw. speziell in besonders ethisch und ökologisch wünschenswerte Bereiche investieren. Diese Geldanlagen sind für Sie also dann interessant, wenn Sie nicht nur Ihr Geld rentabel angelegt wissen wollen, sondern sich auch Gedanken darüber machen, in welche Projekte Ihr Kapital fließt.
Hierfür steht beinahe die gesamte Palette an Finanzprodukten zur Verfügung. Leider ist nicht alles grün, wo „grün“ draufsteht. Vieles ist bei genauerem Hinsehen „Greenwashing“: Das Zielinvestment macht zwar einen „nachhaltigen“ Eindruck, ist aber bei eingehender Analyse mehr Schein als Sein. Es gibt bislang leider keinen allgemein akzeptierten Kriterienkatalog dafür, was ethische Anlagen genau sind und was nicht. Allerdings unterwerfen sich die meisten Anbieter ethischer Anlagen, z. B. Ökofonds, eigenen Kriterien. An diesen – häufig von einer unabhängigen Kommission festgelegten – Anforderungen muss das Fondsmanagement seine Anlageentscheidungen ausrichten. Die Kriterien können sehr umfassend sein oder sich auf bestimmte Bereiche fokussieren, wie umweltschonende Produktion, Einsatz nachhaltiger Energien, Rücksichtnahme auf Arbeitnehmerrechte oder fairen Handel. Um also Mogelpackungen aus dem Weg zu gehen, sollten Sie mit Ihrem Honorarberater die Nachhaltigkeitskriterien der jeweiligen Anlagegesellschaft kritisch unter die Lupe nehmen.
Machen Sie sich aber auch Gedanken zum tatsächlichen Wirkungsgrad Ihres Investments. Dieser kann sehr unterschiedlich sein, wie folgende Beispiele zeigen:
1. An der Börse werden Aktien eines Herstellers für Solaranlagen gehandelt. Ihr Kauf einer solchen Aktie ist jedoch ein Nullsummenspiel, da das Geld lediglich an den vorherigen Besitzer der Aktien fließt. (Anders wäre es, wenn Sie bei einer Kapitalerhöhung der erste Käufer der Aktie wären und der Kaufpreis somit direkt in die Firmenkasse fließen würde.)
Wirkung: gering.
2. Bei einer Investition in Ökofonds oder Schuldverschreibungen einer Sozialbank werden die Gelder in Aktien geeigneter Unternehmungen investiert oder als Kredite vergeben. Dieses Investment ist indirekt, da Sie selbst keinen Einfluss auf die konkrete Auswahl der finanzierten Projekte haben.
Wirkung: mittel.
3. Mit einer Investition in Anleihen nachhaltiger Unternehmen oder entsprechende Beteiligungen über beispielsweise geschlossene Fonds stellen Sie Ihr Geld für ganz bestimmte Vorhaben bereit.
Wirkung: hoch.
Je unmittelbarer Sie in nachhaltige Projekte direkt investieren, desto höher ist allerdings auch Ihr Risiko. Dies liegt nicht nur daran, dass Ihr Geld dann auf nur wenige Engagements konzentriert ist, sondern auch daran, dass Sie z. B. bei Beteiligungen generell ein unternehmerisches Risiko eingehen. Eine Entscheidung für eine starke Fokussierung Ihres Geldes auf konkrete ethisch-ökologische Zielinvestments ist also immer auch eine Entscheidung für die Übernahme unternehmerischen Risikos. Prüfen Sie daher zusammen mit Ihrem Honorarberater, ob Sie dieses tragen wollen und können bzw. welche konkreten Anlagen aus dem Bereich der nachhaltigen Investments zu Ihnen passen.