Sollte ich nicht lieber am deutschen Kapitalmarkt statt international investieren?
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Bei der Frage nach der individuell richtigen Vermögensstruktur steht man häufig vor dem Dilemma, dass es sehr viele wirtschaftliche Einflüsse und persönliche Bedürfnisse zu berücksichtigen gilt und eine simple Antwort nicht möglich ist. Die Frage, ob man hauptsächlich vor der Haustür investieren sollte statt sich auch international zu engagieren, ist hingegen sehr einfach zu beantworten: Nein.
Intuitiv mag man sich auf dem Heimatmarkt immer am besten aufgehoben fühlen – ob es nun darum geht, Unternehmensinformationen in der Muttersprache zu erhalten oder Währungsrisiken aus dem Weg zu gehen. Dieses Phänomen ist weitreichend bekannt und wird von der Wissenschaft als „home bias“, also „Heimatverzerrung“, bezeichnet. Schon diese negative Bezeichnung deutet darauf hin, dass Experten zu viel Heimatverbundenheit als problematisch ansehen. Denn sie bringt einen in Zeiten globalisierter und durch neue Informations- und Handelstechnologien sehr effizienter Finanzmärkte nicht weiter. Überspitzt ausgedrückt: Die (Finanz-)Welt ist ein Dorf und dies gilt es zu nutzen.
Die Begründung liegt in einem der wichtigsten Grundprinzipien der Geldanlage, der Diversifikation. Das Gesamtrisiko im Depot fällt umso geringer aus, je weniger die Bereiche, aus denen die Anlagen stammen, miteinander „korrelieren". Zu Deutsch: Verluste in einem Bereich können bei geschickter Zusammenstellung des Portfolios durch Gewinne an anderer Stelle mindestens teilweise wieder ausgeglichen werden.
Dies bezieht sich nicht nur auf unterschiedliche Unternehmen bzw. Branchen, sondern auch auf verschiedene Anlageformen, wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe – und eben auch auf die regionale Aufteilung. Hält man also alle Anlagen im deutschen Raum, geht man das Risiko ein, von einem wirtschaftlichen Abschwung daheim mit voller Wucht getroffen zu werden. Wer sein Geld international verteilt, profitiert von den unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungen. Zudem hat sich gezeigt, dass verschiedene Länder die letzten Finanzkrisen auch unterschiedlich gut verkraftet haben.
Wer sein Geld lediglich in Deutschland investiert, setzt alles auf eine (regionale) Karte und lässt einen nahezu kostenlosen Risikovorteil ungenutzt. Sprechen Sie also mit Ihrem Honorarberater über eine passende internationale Diversifizierung. Investmentfonds und vor allem ETFs (Exchange traded funds), die sich auf die gewünschten Regionen konzentrieren, sind dazu in der Regel geeignet. Hier überlassen Sie die Detailarbeit entweder einem professionellen Fondsmanagement oder legen in eine Fondsstruktur an, die kostengünstig einen Index nachbildet. Dies hat bekanntermaßen einen weiteren Vorteil: Die Anlagerisiken werden so erneut auf viele Anlagen verteilt (Prinzip der Risikostreuung). Sollte es sich um Anlageregionen handeln, die stark schwankende Währungen beinhalten, kann zudem nach Fondsinvestments mit eingebauten Währungsabsicherungen Ausschau gehalten werden.