Frag einen Honorarberater (14): Sind passiv gemanagte Fonds günstiger als aktive gemanagte Fonds?
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Das Problem ist hier der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Aktiv gemanagte Fonds können tatsächlich besser abschneiden. Immerhin bezahlt man das Fondsmanagement ja dafür, dass es überdurchschnittliche Ergebnisse erwirtschaftet. Leider gelingt das in der Praxis nur selten dauerhaft: Selbst Fonds, die einige Jahre besser laufen als der zugrunde liegende Markt bzw. als der Vergleichsindex, erleben dann wieder Phasen, in denen sie schlechter laufen. Statistisch gesehen schlägt über 10 Jahre hinweg nur rund ein Viertel der aktiven Fonds ihren Vergleichsindex – warum also nicht gleich auf den passenden Index selbst setzen?
Doch sich einzig und alleine zwischen aktiven und passiven Fonds entscheiden zu wollen, ist in etwa so, als würden Sie sich pauschal zwischen einer Autofahrt und einer Bahnfahrt entscheiden, ohne überhaupt einzubeziehen, wo es hingehen soll. Gehen Sie besser einen Schritt zurück und legen Sie zunächst fest, in welchen Bereich Sie investieren möchten. Dann ist es viel leichter, die richtige Art des Fonds auszuwählen.
Möchten Sie ganze Regionen oder Länder abdecken, also sehr breit und unspezifisch investieren? Dann ist es häufig sinnvoll, einen passenden Index, wie z. B. den DAX, nachzubilden und sich damit eine Art maßstabsgetreues Abbild des Marktes (abzgl. Kosten) ins Depot zu holen. In diesem Fall sollte Ihre erste Wahl ein sog. „börsengehandelter Fonds“ (im Fachjargon „Exchange Traded Fund“, kurz ETF) sein.
Ein ETF ist hingegen in der Regel ungeeignet, wenn Sie ein Nischeninvestment tätigen oder spezielle Themen abbilden möchten, wie z. B. die Lifestyle-Industrie oder „nachhaltig“ gemanagte Anlagen. Einmal auf eine Auswahl an Unternehmen festgelegt, würde der ETF wie ein Schiff mit eingeklemmtem Ruder kaum auf Veränderungen reagieren können. Bei dynamischen Teilmärkten ist es besser, ein aktives Fondsmanagement am Steuer zu haben, das schnell reagieren kann.
ETFs sind mit anderen Worten effiziente Basisinvestments zur Abdeckung marktbreiter Indizes, primär in den Anlageklassen Aktien, Renten und Rohstoffe.
Ein ETF wird wie eine Aktie an einer Börse gehandelt und hat wie die meisten aktiv gemanagten Fonds keine Laufzeitbegrenzung. Der börsentägliche Handel eröffnet ETF-Anlegern die Möglichkeit, quasi jederzeit in einen Index zu investieren oder diesen auch schnell wieder zu veräußern.
Durch den Verzicht auf ein aktives Management können ETFs zudem mit einer deutlich geringeren Verwaltungsgebühr angeboten werden, was über längerfristige Zeiträume zu klaren Wertentwicklungsvorteilen gegenüber aktiv gemanagten Fonds führt. Die jährliche Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio; TER) liegt deutlich unter der der aktiven Fonds. Laut dem ETF-Anbieter iShares liegt die durchschnittliche TER für Aktien-ETFs bei 0,37 %. Nach einer Erhebung der Fonds-Ratinggesellschaft Morningstar beträgt die durchschnittliche TER aktiv gemanagter Aktienfonds dagegen 1,51%.
Zudem mindern Ausgabeaufschläge (die nicht in der TER enthalten sind) das Anlagevolumen bei der Neuanlage in aktive Fonds um bis zu 5 % – ein Aufwand, der erst einmal wieder erwirtschaftet werden muss.
Zu beachten ist aber auch, dass sich die ETF-Branche über die letzten Jahre stark verändert hat. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern bescherte den Anlegern eine bisher ungeahnte Vielzahl an Produkten. Allein an dem Börsenplatz Xetra waren Ende September 873 ETFs gelistet. Während früher ETFs auf bestehende Indizes geschaffen wurden, wird heute oft umgekehrt verfahren. Neue Indizes werden einzig mit dem Zweck erschaffen, um darauf einen ETF auflegen zu können. Der Nutzen und die Eignung der einzelnen Indizes für Privatanleger können dabei höchst unterschiedlich ausfallen. Nicht jeder neue Index ist ein Mode- oder Nischenprodukt, jedoch muss der darauf aufgelegte ETF auch dann nicht unbedingt zu den Zielen des Anlegers passen.
Darüber hinaus gilt es abzuwägen, welcher ETF-Anbieter das gewünschte Anlagesegment am optimalsten abbildet und welche Form des ETFs genutzt werden sollte. Sowohl klassische ETFs (die direkt in die Bestandteile des jeweiligen Index investieren) als auch ETFs, die die Indexentwicklung synthetisch nachbilden, haben spezifische Vorteile.
Da viele Banken ETFs in der Beratung ausklammern, stehen Anleger mit den Möglichkeiten, aber auch den Risiken, die sich aus passiven Anlagen ergeben, oft allein da. Dabei bergen ETFs für viele Anleger ein großes Potential. Die quirin bank berät Kunden nach dem Konzept der Honorarberatung, unabhängig von Provisionen, und steht Anlegern mit ihrer langjährigen ETF-Expertise zur Seite.