Ausblick 2010: Kommt jetzt die Horrorinflation?
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Die Gelddruckmaschinen der Notenbanken stehen nicht still. Milliarden von neuen Dollars und Euros treiben die Preise und gefährden auch unser Vermögen. Claus Vogt, Buchautor und Chefstratege der quirin bank, sieht 2010 noch kein Ende der Finanzkrise. Es beginnt ein neues Kapitel: Inflation.
Alle großen Inflationen haben folgende Gemeinsamkeiten: ungedecktes Geld, das beliebig vermehrt werden kann und eine drastische Staatsverschuldung, die zum überwiegenden Teil monetarisiert, also durch neu geschaffenes Geld finanziert wird. Diese, in der Vergangenheit vorliegende Kombination, mit den bekannten verheerenden Folgen, liegt derzeit vor.
Allen voran die amerikanische Zentralbank (Fed) und ihr einst gefeierter früherer Chef Alan Greenspan sind mit ihrer Politik des billigen Geldes maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass es zu einer Immobilienblase kommen konnte, deren Platzen schließlich die schlimmste Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte auslöste.
Vor diesem Hintergrund kann man nur davor warnen, heute bereits ein frühzeitiges Ende der Finanzkrise auszurufen. Die Krise ist erst dann beendet, wenn alle Risikopositionen in den Bankbilanzen bereinigt sind. Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat zu Recht darauf hingewiesen, dass erst die Hälfte der toxischen Wertpapiere abgeschrieben sind, folglich wären immer noch Milliardenverluste in den Bilanzen der Banken verborgen.
Für Privatanleger hat die aktuelle Politik der Notenbanken und der Regierungen gravierende Konsequenzen für ihre zukünftigen Geld- und Finanzentscheidungen. Bevor Anlageentscheidungen getroffen werden, sollte man sich jedoch begriffliche Klarheit über das Thema: „Inflation“ verschaffen.
Was bedeutet Inflation?
Heutzutage wird der Begriff „Inflation“ zumeist als Anstieg eines über den Warenkorb gemessenen Preisniveaus definiert. Das inhaltliche Problem dieser formal korrekten Definition liegt auf der Hand: Hier wird nur ein Symptom beschreiben, nämlich die Preisveränderungen eines beliebig manipulierbaren Warenkorbs. Die Ursache dieser Preisveränderungen bleibt im Dunklen. Auch die Zusammensetzung des Warenkorbs und die Messmethoden lassen ausreichend Spielraum, um genau das Ergebnis zu erhalten, das man sich wünscht.
Eine ältere Definition von Inflation ist dagegen deutlich klarer. Sie lautet: Inflation ist der Anstieg der Geld- und Kreditmenge. Folgt man dieser Definition dann ist der Anstieg des Preisniveaus eines Warenkorbs lediglich das Symptom beziehungsweise das Ergebnis der Geld- und Kreditmengensteigerung und zwar eines von drei, klar voneinander zu unterscheidenden Symptomen: Neben den erwähnten steigenden Warenkorbpreisen sind dies Spekulationsblasen und in der Folge eine nicht tragfähige Wirtschaftsstruktur.
Spekulationsblasen entstehen dann, wenn Preise von Vermögenswerten steigen, die nicht ausreichend im Warenkorb berücksichtigt sind, also zum Beispiel Preise von Unternehmen, Aktien oder Immobilien. Deren Platzen kann verheerende Folgen für die gesamte Wirtschaft haben. Da die modernen Zentralbanker ihre Politik hauptsächlich über das zuerst genannte Symptom, nämlich „steigende Warenkorbpreise“ zu definieren schienen, und andere Vermögenswerte außer Acht ließen, kam es zu drastischen geldpolitischen Fehlentscheidungen, deren Folgen wir jetzt zu spüren bekommen.
Ein drittes, häufig nicht ausreichend beachtetes Symptom ist darin zu sehen, dass systematisch geldpolitische Fehlsignale an die Wirtschaft erfolgten. Diese Fehlsignale führen dazu, dass eine nicht tragfähige Wirtschaftsstruktur entsteht. So entstehen beispielsweise rund um steigend Immobilienpreise, Bauunternehmen, Architekturbüros, Makler, Rating-Analysten etc. Wird die inflationäre Politik unterbrochen oder gar beendet, dann wird genau diese fehlgesteuerte Politik offensichtlich, nämlich in Form von Unternehmens- und auch Bankeninsolvenzen.
Immer neue Blasen
Die Krise der vergangenen zwei Jahre war die Folge einer solch geplatzten Spekulationsblase. Die Ursache dieser Spekulationsblase war eine inflationäre Politik, die mit einem Anstieg der Geld- und Kreditmenge einherging. Die aktuelle Antwort der Politik auf diese Krise ist erneut eine inflationäre Politik, bestehend aus Null-Zinspolitik, Konjunkturprogrammen und erneuter Staatsverschuldung.
Mittlerweile steht zu befürchten, dass durch die Milliarden schweren staatlichen Interventionen neue Blasen entstehen und damit bereits der Grundstein für die nächste Krise gelegt wird. Zwar gehen etliche Experten davon aus, dass die Notenbanken rechtzeitig Liquidität aus den Märkten abschöpfen und somit einer Inflation entgegenwirken. Dieser Auffassung stehe ich jedoch skeptisch gegenüber, denn hier greift eine andere Lehre der Finanzgeschichte. Wenn der inflationäre Weg erst einmal beschritten wird, ist eine Trendwende kaum noch möglich. Der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl hat das einmal bildlich formuliert: „Das Vorhaben, den Märkten überschüssiges Geld zu entziehen ist in etwa so einfach, als wenn Sie versuchen, Zahnpasta wieder in die Tube zu drücken."
Was also können Anleger in dieser Situation tun. Sie müssen angesichts der erheblichen Unsicherheiten vor allem eins sein, nämlich wachsam. Und sie sollten sich regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen informieren. Vor allem sollten sie flexibel sein und offen für rasche, manchmal vielleicht auch unkonventionelle Entscheidungen, falls die Umstände dies erfordern.
Für alle, die sich im Detail informieren wollen, bietet die quirin bank einen Inflations-Depotcheck an, der Depots auf ihre Stress-Resistenz beziehungsweise Sensitivität gegenüber einer möglichen Inflation untersucht und konkrete Anlageempfehlungen erhält.
Claus Vogt, Leiter Research qurin bank und Autor der Bücher "Das Greenspan Dossier. Wie die US-Notenbank das Weltwährungssystem gefährdet" und „Die Inflationsfalle. Retten Sie Ihr Vermögen“.
Weitere Leseempfehlungen:
Marktkommentar von Claus Vogt
Vorwort zum Buch: „Die Inflationsfalle. Retten Sie Ihr Vermögen"
SZ-Rezension des Buchs "Die Inflationsfalle. Retten Sie Ihr Vermögen"