Mogelpackung: Verwirrspiel der DZ Bank
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Die "Banker haben nichts kapiert", heißt es in der Oktober-Ausgabe von "Finanztest". Als die Branche tief in der Krise steckte und im Sog der Lehman-Pleite um ihre Reputation fürchtete, hätten die Geldhäuser versprochen, "von nun an verständliche Zertifikate und Anleihen anzubieten.
Doch jetzt müssen wir vor ähnlichen Konstruktionen warnen wie vor der Krise", ziehen die Fachleute des renommierten Verbrauchermagazins eine für die Finanzbranche wenig schmeichelhafte Bilanz. Der zentrale Vorwurf: "Die Papiere sind weiterhin so kunstvoll konstruiert, dass kaum jemand sie wirklich versteht, weder die Berater in der Bank noch die Anleger."
Als "anschauliches Beispiel" präsentiert "Finanztest" das Zertifikat DZ-Bank Maxirend Control IV RV (ISIN: DE 000 AK0 ETJ 8). Anleger wetten mit dem Papier der genossenschaftlichen DZ-Bank, die ihre Produkte über die Volks- und Raiffeisenbanken vertreibt, auf einen Rückgang des Deutschen Aktienindex, kurz Dax. Das Express-Bonus-Zertifikat läuft vom 11. September 2009 bis maximal 11. Dezember 2014.
Von Dezember 2010 an gibt es jedes Jahr die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung und einen Bonus -- vorausgesetzt der Dax spielt mit. Und hier beginnen die Unwägbarkeiten: Liegt der Dax im Dezember 2010 auf oder unter seinem Startwert, zahlt die DZ-Bank das angelegte Geld zurück und einen Bonus von 9,5 Prozent. Ist der Dax gestiegen, läuft das Papier weiter.
Im Dezember 2011 beginnt das Spiel von vorn, allerdings gilt als Kursschwelle dann der Startwert plus zehn Prozent. Das Zertifikat wird also fällig, wenn der Dax auf oder unter 110 Prozent seines Startwerts liegt. Der Bonus erhöht sich auf 19 Prozent. Und so geht es weiter: Im Dezember 2012 klettert die Kursschwelle auf 120 Prozent, der Bonus auf 28,5 Prozent. 2013 steigt die Schwelle auf 130 Prozent, der Bonus auf 38 Prozent. 2014 ist auf jeden Fall Schluss.
Für die Anleger kommt spätestens dann der Tag der Wahrheit. Drei Szenarien sind möglich: Liegt der Dax auf oder unter 140 Prozent des Startwertes, gibt es das Geld zurück plus 47,5 Prozent Bonus. Für den Investor wird ein Traum war: Sie gewinnen, die Bank muss zahlen.
Steht der Dax zwar über 140, aber unter 150 Prozent des Startwerts, schlägt das Pendel schon nicht mehr zu ihren Gunsten aus. Die Anleger erhalten zwar sein Geld zurück, aber keinen Bonus. Sie haben also für fünf Jahre ihr Geld zinslos angelegt, real kommt das einem Verlust gleich: Mag die Inflationsrate auch niedrig sein, die Kaufkraft sinkt garantiert.
Zum großen Verlierer wird der Anleger, wenn der Dax bis zum Ende der Laufzeit auf mehr als 150 Prozent des Startwerts geklettert ist. Dann erhält er weniger Geld zurück, als er investiert hat. Es wird ihm ein Betrag abzüglich der positiven Dax-Entwicklung ausgezahlt. Mit anderen Worten: Er macht Verlust.
Finanztest urteilt daher: "Für Privatanleger taugt das Zertifikat kaum." Es sei schlicht zu kompliziert. Das zeige auch ein Komplexitätsmaß von "7", das von Finanztest für das Produkt vergeben wurde.
Das Komplexitätsmaß ist eine Erfindung des Verbrauchermagazins. Das Maß gibt an, von wie vielen Bedingungen Zins- und Rückzahlung abhängen. Papiere mit einem Maß größer als "5" sind schwer zu durchschauen. Eine Vervielfachung der Bedingungen macht es fast unmöglich, die wahren Renditechancen abzuschätzen.
Für Anleger bietet das Komplexitätsmaß eine gute Orientierung. Und eine gute Orientierung tut not, denn das DZ-Bank Maxirend Control IV RV wird zum Beispiel im Programm der DZ-Bank noch vom aktuellen Variozins-Garant D 09/09 weit übertroffen. Dafür wurde das Komplexitätsmaß "210" ermittelt.
Als "ähnlich detailverliebt" brandmarkt Finanztest beispielsweise auch Papiere der Commerzbank, der Hypo-Vereinsbank, von Morgan Stanley und von HSBC. Das jeweils verliehene Komplexitätsmaß reicht bis "89"! Das Finanztest-Resüme: "Nein, die Banker haben wirklich nichts gelernt." (sal)
Der Artikel ist erschienen in der Frankfurter Rundschau. Veröffentlichung auf quirinnews.de mit freundlicher Genehmigung.