Mogelpackung: Mattes Silber bei der Volksbank Bautzen
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Die Volksbank Bautzen verspricht eine attraktive und wertstabile Anlagekombination aus Termingeld und Silber. Bei näherer Betrachtung verliert das Angebot aber schnell seinen Glanz.
„Gold ist gut, Silber ist besser.“ Mit diesem Motto wirbt Thorsten Schulte für den seltenen Rohstoff. Schulte ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Silberjunge“ und Experte, wenn es um Edelmetallinvestments geht. Im Gespräch mit dem Nachrichtensender N24 schwärmt er: „Silber ist der Kaiser unter allen Industrie- und Edelmetallen.“ Für 2012 prognostiziert er eine Verfünffachung des Silberwerts von derzeit rund 18,50 US-Dollar.
Diese Einschätzung teilt Schulte offenbar mit den Anlageexperten der Volksbank Bautzen. Gemeinsam haben sie für Privatanleger den „VR-SilberTopZins“ entwickelt, eine Kombination aus Termingeld und Silber. Dabei wird die Hälfte des Anlagebetrags in ein Termingeld für sechs Monate zu einem Zinssatz von fünf Prozent pro Jahr festgesetzt. Zum Gegenwert der anderen Hälfte erhält der Anleger Edelmetall in Form von Kookaburra-Silbermünzen. Die Mindestanlage beträgt 5.000 Euro, da mindestens 5 Münzen á ca. 490 Euro erworben werden müssen.
Auf den ersten Blick erhält hier der Kunde ein attraktives Doppel, das die Vorteile eines inflationssicheren Edelmetallinvestments an eine garantierte Verzinsung koppelt. Die Rohstoffwahl Silber verspricht zudem eine positive Wertentwicklung. Einen zusätzlichen Anreiz will die Volksbank Bautzen durch den Verkauf von Kookaburra-Münzen erzielen. Die in Australien hergestellten Anlagemünzen mit einem Silberanteil von 99,9 Prozent haben einen Durchmesser von rund zehn Zentimetern und wiegen jeweils ein Kilogramm. „Das Auge isst ja bekanntlich mit“, sagt Schulte.
Was der Anleger erst später erfährt: Auf den Verkauf der Münzen werden sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben (Silberbarren sogar 19 Prozent). Bei einem Anlagebetrag von beispielsweise 20.000 Euro, investiert der Anleger somit nicht 10.000 Euro in Silbermünzen, sondern nur 9.300 Euro. Er macht also bereits bei Abschluss Anlage einen Verlust von 700 Euro. Zudem erhebt die Bank eine Verkaufsgebühr auf das Silber von einem Prozent.
Dem Startverlust von acht Prozent auf der Edelmetall-Seite steht lediglich eine garantierte Verzinsung des Termingelds von fünf Prozent pro Jahr gegenüber. Dieser Rückstand erfordert eine extrem günstige Wertentwicklung des Edelmetalls, die nicht vorhergesehen werden kann. Schulte selbst sagt im Interview mit N24: „Die Anlage ist keine Einbahnstraße. Man muss wissen, dass Silber volatil ist: Es gewinnt zweimal so stark wie Gold, kann aber auch im Umkehrschluss zweimal soviel verlieren.“ Anleger, die eine sichere Geldanlage wünschen, gehen beim „VR-SilberTopZins“ ein nicht überschaubares Risiko ein.
Die nächste Ernüchterung: Selbst eine positive Entwicklung der Edelmetall-Hälfte zieht nicht zwangsläufig ein positives Gesamtergebnis nach sich. Bei der Kündigung des Termingelds und dem gleichzeitigen Verkauf des Silbers an die Bank erhält der Kunde in der Regel nur einen gegenüber dem Erwerbswert geminderten Ankaufpreis. Erst am Ende des Angebots klärt die Volksbank über diesen Nachteil auf: „Der Münzpreis ist abhängig vom Tageskurs. Bei einem eventuellen Verkauf der Münzen richtet sich der Erlös nach dem gültigen Marktpreis des Edelmetalls. Dieser kann höher, jedoch auch niedriger als der Erwerbspreis sein.“ Weitere Einschränkung: Die Anlage ist auf maximal 100 Silbermünzen begrenzt.
Fazit: „VR-SilberTopZins“ stellt für den unerfahrenen Anleger eine eindeutige Mogelpackung dar. Zum Vergleich: Eine Anlage in hochreines Gold ist mehrwertsteuerfrei. Alternativ hätte die Bank auch gebührenneutrale Wertpapiere, so genannte Silber-ETCs (Exchange Traded Commodities), anbieten können. Diese börsengehandelten Fonds investieren ebenfalls ausschließlich in physisches Silber.