Ein Plädoyer gegen den Herdentrieb
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„Ach, was muss man oft von bösen Rating-Agenturen lesen. So zum Beispiel hier von diesen, die S&P und Moody’s hießen. Ach, das war ein schlimmes Ding, wie es Griechenland erging.“ So hätte der Dichter Wilhelm Busch in „Max und Moritz“ wohl die Folgen des fahrlässigen Verhaltens der Rating-Agenturen für die Finanzmärkte beschrieben.
Tatsächlich wird derzeit auf die Bonitätsbewerter von allen Seiten eingeprügelt. Denn sie haben den Märkten Streiche gespielt, die Buschs bösen Buben nicht besser hätten gelingen können: Die Agenturen bewerteten griechische Papiere selbst dann noch gut, als deren Rendite wegen des hohen Risikos längst im zweistelligen Prozentbereich hätte liegen müssen. Als die Hellenen dagegen endlich die Lösung des Schuldenproblems anpackten, wurden ihre Anleihen auf Ramschniveau heruntergestuft.
Dabei liegt der wahre Skandal weniger in den wackligen Urteilen überforderter Agenturen. Viel schlimmer ist, dass alle wie gutgläubige Schäfchen deren fragwürdigem Urteil folgen. Statt sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden, macht man das, wovon man glaubt, dass die anderen es auch tun: Herdentrieb. Das ist viel schlimmer als bei Max und Moritz. Die haben sich ihre Dummheiten wenigstens selbst ausgedacht.
In seinem wöchentlichen Gastkommentar beleuchtet Karl Matthäus Schmidt, Vorstandssprecher der quirin bank, ein aktuelles Thema aus der Finanzbranche. Die Kolumne erscheint in der „Welt am Sonntag“ und auf den Infoseiten der quirin bank.
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